Benzinpreise: Ursachen und Fakten

Voller Mehrwertsteuersatz und CO2-Bepreisung | Rohstoffpreis im März wieder auf Vorkrisenniveau | Ölimporte 2020 so tief wie 1992

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Die Teuerung erscheint auch deshalb so hoch, weil die Preise 2020 außergewöhnlich niedrig waren.
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ORTENAU. Ärgernis für Kraftfahrer, Erfolg für Klimaschützer:  Benzin ist erheblich teurer geworden. Laut dem Statistischen Bundesamt erhöhten sich die Preise für Super im April um ein Viertel im Vergleich zum Vorjahresmonat. Diesel stieg um 19,5 Prozent, Autogas um 14,2 Prozent.

Im Schnitt verteuerten sich Kraftstoffe im April 2021 um 23 Prozent gegenüber April 2020.  Der Verbraucherpreisindex („Inflation“) stieg im selben Zeitraum um zwei Prozent. Die Gründe dafür reichen von der Corona-Krise bis zur CO2-Abgabe.

Zu Jahresbeginn endete die temporäre Mehrwertsteuersenkung von drei Prozent und die CO2-Abgabe wurde eingeführt. Letztere belegt klimaschädliche fossile Brennstoffe mit 25 Euro pro Tonne CO2.

Einfuhrpreise von Rohöl im März wieder auf Vorkrisenniveau

Zudem wurde Rohöl teurer. Die Einfuhrpreise haben sich im März im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt und liegen wieder auf Vorkrisenniveau. 2020 war die weltweite Nachfrage nach Rohöl aufgrund der Corona-Krise zurückgegangen, was zu einem Preisverfall führte. Anders als bei den Verbraucherpreisen fließen Steuerveränderungen oder steuerähnliche Abgaben wie die CO2-Bepreisung nicht in die Einfuhrstatistik ein.

Wichtig für die Einordnung der Teuerung ist der sogenannte Basiseffekt. Dieser besagt, dass die Veränderung nicht nur von der aktuellen Preisentwicklung abhängt, sondern auch von der des Vorjahres. Zu Beginn der Pandemie brachen die Rohölpreise ein. Der Vergleich mit dem außergewöhnlich niedrigen Niveau des Vorjahres führt jetzt zu hohen Teuerungsraten. Die Kraftstoffpreise erreichten im April und Mai 2020 die niedrigsten Stände 2020.

Ölimporte 2020 auf tiefstem Stand seit 1992

Die Ölimporte nach Deutschland sind seit Längerem rückläufig. Von Januar bis März 2021 wurden mit 18 Millionen Tonnen mengenmäßig 19 Prozent weniger Rohöl eingeführt als im Vorjahreszeitraum.

Die Corona-Krise führte mit dazu, dass die Einfuhrmenge von Rohöl 2020 auf den tiefsten Stand seit 1992 fiel. 85 Millionen Tonnen Rohöl im Wert von 24 Milliarden Euro wurden im letzten Jahr nach Deutschland importiert. Im Vergleich zu 2019 ist das mengenmäßig ein Minus von 1,4 Prozent, doch wertmäßig um rund ein Drittel.

Die Rohölimporte gingen schon vor der Corona-Pandemie zurück. 1992 kaufte Deutschland 97 Millionen Tonnen aus dem Ausland, im Spitzenjahr 2005 waren es 115 Millionen Tonnen.

Importabhängigkeit auf zehn Länder verteilt

Mit Abstand wichtigste Liefernation für Deutschland ist Russland. Mit 26 Millionen Tonnen kamen 2020 31 Prozent der Ölimporte von dort. Die USA lieferten 12 Prozent, Großbritannien 9 Prozent. Der Nahe Osten spielt kaum noch eine Rolle. Aus Saudi-Arabien, Libyen und Irak zusammen bezog Deuschland 5,5 Prozent seines Bedarfs.

Die Rangfolgen ergeben sich ohne Berücksichtigung der Niederlande. Von dort kamen 2020 zwar rund 10 Millionen Tonnen (12 Prozent) der deutschen Rohöl-Einfuhren. Die Niederlande sind aber mit ihren Nordseehäfen in den meisten Fällen nur Zwischenhändler.

Quelle: Destatis

Dierk Knechtel
Dierk Knechtel