Ohne die Gefahren der Flucht in ein sicheres Leben

NesT – Neustart im Team | Das Programm für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge | Bürger*innen übernehmen Verantwortung im Team

Flucht-Seenot Mittelmeer _ Chris Grodotzki
Resettlement-Programme wie NesT helfen, solche Situationen zu verhindern.
Foto: Chris Grodotzki für Sea Watch | United4Rescue

ORTENAU. Wer für Menschen in Not mehr tun möchte, als nur Geld zu spenden, kann das mit “NesT”. “Neustart im Team” ist ein Aufnahme-Programm der Bundesregierung für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge, das die Mithilfe von jeweils fünf Mentor*innen verlangt. 500 Personen werden im Rahmen von NesT legal und sicher nach Deutschland geholt. Gefahren und Strapazen der üblichen Fluchtrouten bleiben ihnen erspart.

Um die Rettung Flüchtender im Mittelmeer geht es bei der Aktion “Grenzenlose Menschlichkeit – Man lässt keine Menschen ertrinken” (siehe LJ-Berichte). Menschen auf der Flucht kommen aber auch zu Lande ums Leben. Die Flucht überflüssig zu machen, ist die humanitärste aller Lösungen. Deshalb steht NesT auf dem Programm der Aktion, die noch bis 25. September läuft. Am Dienstag hielt Katharina Mayr (Caritas) dazu einen Vortrag in der Offenburger Stadtkirche.

NesT ist eines von zahlreichen Resettlement-Programmen weltweit. Resettlement heißt: Flüchtlinge, die von einem anderen Land aufgenommen wurden und weder in die Heimat zurück, noch ihren Weg fortsetzen können, dürfen in ein Drittland kommen und dort bleiben. Dazu müssen sie von der UNHCR, dem UN-Flüchtlingswerk, als besonders schutzbedürftig anerkannt sein.

Bürgerbeteiligung einmal anders

Seit 2012 beteiligt sich Deutschland am UN-Resettlement. Bis 2014 wurden jährlich 300, ab 2015 500 Menschen pro Jahr aufgenommen. Unabhängig davon gibt es das reguläre Asylverfahren, die humanitären Aufnahmeprogramme des Bundes und einiger Länder, die Aktion “Sichere Häfen” auf kommunaler Ebene und, seit 2019, NesT. Das NesT-Kontingent von 500 Personen kommt “on top” und ist unbefristet. Zunächst geht es darum, Erfahrungen zu sammeln.

Neu ist, dass Privatpersonen in die Verantwortung genommen werden. Die Mentor*innen besorgen eine Wohnung, bezahlen zwei Jahre lang die Kaltmiete und betreuen die Neuankömmlinge in Sachen Behördengang, Schule, Gesundheit, Freizeit etcetera. Dafür müssen sie als Team funktionieren, sich also kennen und am selben Ort leben.

NesT spricht Menschen an, die konkret und nicht nur ideell etwas tun, mit ihren individuellen Fähigkeiten Anderen helfen wollen. Das ist mehr, als die Sache mit Spenden und Steuern dem Staat zu überlassen. Sicherlich sind viele gern bereit dazu, weitaus genug für die zunächst veranschlagten 500 Flüchtlinge. Allerdings lässt die Resonanz bisher zu wünschen übrig. Laut Katharina Mayr haben 67 Gruppen einen Antrag gestellt, 14 wurden nach Prüfung aufgenommen.

Ein Grund wird sein, dass NesT noch zu wenig bekannt ist. Dem sollen Aktionen wie “Grenzenlose Menschlichkeit” abhelfen. Leider fand sich am Dienstag nur ein gutes Dutzend Zuhörer ein, die meisten im fortgeschrittenen Alter. Mitglieder des Ökumenischen Arbeitskreises Asyl Offenburg haben sich für ein NesT-Projekt zusammengetan. Wie Initiatorin Claudia Roloff sagte, wollen sie das Geld über Spenden beschaffen. Auch das geht.

Was der Staat dazu tut

Mit der Anerkennung durch die UNHCR erlangen die Schutzsuchenden in Deutschland Rechte. Sie erhalten eine dreijährige Aufenthaltserlaubnis und müssen in der Zeit am Ort bleiben, wo sie durch die Hilfe ihrer Metoren*innen bestmöglich integriert werden sollen. Sie haben Anspruch auf Sozialleistungen und Kindergeld und dürfen eine Arbeit aufnehmen. Der Nachzug ihrer Kernfamilie ist auf Antrag möglich.

Die besondere Schutzwürdigkeit dieser Personen wird im Erstaufnahmeland von der UNHCR nach international anerkannten Regeln festgestellt. Im Wesentlichen handelt es sich um Frauen und Kinder, Opfer von Folter und anderer Gewalt, um Kranke, deren Behandlung vor Ort nicht möglich ist, und um Menschen, die in langwierigen Fluchsituationen feststecken. Die Länder, wo sie vorläufig unterkommen, jedoch langfristig keine Perspektive haben, sind derzeit Ägypten, Jordanien, Kenia, Libanon, Niger.

Mehr Info gibt es hier:

www.neustartimteam.de

Telefon: 02304/7554545

Email: zks@neustartimteam.de

Dierk Knechtel
Dierk Knechtel