Phosphor wird ab 2029 aus Klärschlamm gewonnen

Südbadische Kommunen bauen neue Anlage in Forchheim | Neuried tritt Dach-Zweckverband bei | Deutschland strebt Unabhängigkeit von fragwürdigen Phosphor-Importen an

Phosphor Streichholz _ Carabo Spain _ Pixabay
Eine der vielen Eigenschaften von Phosphor ist, dass er leuchtet.
Foto: Carabo Spain | Pixabay

NEURIED. Phosphor ist ein wichtiger Rohstoff und kann nicht synthetisch erzeugt werden. Deutschland besitzt keine natürlichen Phosphorreserven. Um die totale Abhängigkeit von Importen zu mindern, ist gesetzlich vorgeschrieben, ab 2029 Phosphor aus Klärschlamm zu gewinnen, wo er reichlich vorhanden ist. Aus diesem Anlass tritt der Zweckverband, in dem Neuried seinen Klärschlamm entsorgt, einem noch größeren Zweckverband bei. Der Schritt musste vom Gemeinderat abgesegnet werden, was letzten Mittwoch geschah.

Der Klärschlamm Neurieds und anderer Kommunen der nördlichen Ortenau wird durch den Interkommunalen Zweckverband Abwasser Ortenau (IZAO) gesammelt und im Heizkraftwerk der Papierfabrik Köhler in Oberkirch verbrannt. Das funktioniert nach Auffassung der Verwaltung seit Jahren gut.

Immer wieder muss die “thermische Verwertung” europaweit neu ausgeschrieben werden, der Auftrag landete in der Vergangenheit aber regelmäßig bei der Koehler Renewable Energy GmbH. So auch bei der letzten Ausschreibung 2018, die den IZAO für weitere acht Jahre plus zwei Jahre Verlängerungsoption an Köhler bindet. Das ist exakt die Zeitspanne, bis mit der reinen Verbrennung Schluss ist – 2029.

Phosphor kann aus Klärschlamm direkt oder aus dessen Asche gewonnen werden. Letztere Option wird favorisiert. Notwendig ist jetzt eine Verbrennungsanlage mit nachgelagerter Phosphorrückgewinnung, die idealerweise ausschließlich Klärschlamm verarbeitet, was die Experten “Monoverbrennung” nennen. Eine solche Anlage soll bei der Kläranlage in Forchheim entstehen.

Damit sich die Anlage ökologisch wie ökonomisch rechnet, braucht sie ausreichend “Futter”. Das wiederum soll ein neuer Zweckverband gewährleisten, unter dessen Dach nahezu alle Kommunen und deren Verbände zwischen Rastatt und Lörrach schlüpfen. Der heißt schlicht “Klärschlammverwertung Zweckverband Südbaden” (KZV) und wird unter Federführung des AZV Breisgauer Bucht als größtem Klärschlammproduzenten Südbadens gegründet. Der IZAO wird wie bisher die Logistik übernehmen und soll, wie es heißt, als zweitgrößter Mitgliedsverband ein gewichtiges Wort beim KZV mitreden.

Phosphor

Natürlich gebundener Phosphor findet sich in Phosphatgesteinen. 80 Prozent der weltweiten Phosphorreserven gehören Ländern, die politisch nicht stabil sind oder in einem schwierigen Einvernehmen mit der EU stehen. Dies sind Marokko mit Westsahara, China, Jordanien, Südafrika. Der Abbau geschieht überwiegend unter Bedingungen, die nicht mit europäischen Werten und Rechtsnormen vereinbar sind. Zudem soll das Material teilweise uranbelastet sein.

Phosphor wird in vielen unterschiedlichen Bereichen verwendet, darunter als Dünger, Streichholz, Flammschutz und Weichmacher, aber auch in der Medizin, bei der Herstellung von Bomben und Pflanzenschutzmitteln. Phosphor ist wichtiger Zellbaustein von Lebewesen.

Dierk Knechtel
Dierk Knechtel