Des Bürgermeisters täglich Brot

Altenheim bekommt sechs neue Hundetoiletten, aber das ist nicht der Punkt

Kommunaler Service für Hundehalter
Foto: Dierk Knechtel

NEURIED. Im Ortsteil Altenheim stehen zehn Hundetoiletten. Drei sollen hinzukommen, es geht um 500 Euro das Stück. Der Ortschaftsrat, der das zu entscheiden hat, debattierte in der letzten Sitzung ausführlich darüber. Am Ende der Debatte waren es sechs Toiletten, so wurde es beschlossen.

Das Thema beschäftigt seit undenklichen Zeiten landauf landab die Kommunen. Weil es die Bevölkerung beschäftigt. Hundekot ist ein zyklisches Thema. Manfred Rommel, 1974 bis 1996 OB von Stuttgart, soll gesagt haben: “Des Bürgermeisters täglich Brot ist und bleibt der Hundekot.”

Ortsvorsteher Jochen Strosack verwendete das Zitat in der Debatte und erntete Lacher. Strosack wie Rommel behelfen sich mit Ironie. Wann behilft sich jemand mit Ironie? Wenn etwas direkt und unverfälscht nicht ausgedrückt werden kann. Oder darf. Was wäre das hier?

Hundehalter können die Beutel einem Spender an der Hundetoilette entnehmen. Dorthinein sollen sie, so sie gefüllt wurden, geworfen werden. Das passiert nicht immer. Allzu oft liegen volle Beutel neben der Toilette, oder weiter weg am Wegrand oder im Acker. Weil die Tüten jetzt orange sind und nicht mehr grau, fällt das mehr auf. Jede(r), der oder die zu Fuß unterwegs sei, würde das Bild kennen, war die einhellige Meinung im Rat.

Ein Ratsmitglied sagte, für manche Hundehalter scheine es ein Problem zu sein, den Beutel, nachdem sie sich die Mühe gemacht hätten, ihn zu füllen, auch in den Behälter zu tun. Oder ins Auto, denn volle Hundebeutel lägen auch auf Parkplätzen. Bauhof-Leiter Matthias Bross, dessen Mitarbeiter mit der Angelegenheit, sagen wir so: konkret befasst sind, nannte dieses Verhalten “schade”.

Doch zurück zu dem, was ungesagt blieb. Zum einen die Fälle, wo die Tütenoption nicht gezogen wird und die Exkremente dort liegen bleiben, wo sie abgesondert wurden. Auch dieses Bild ist bekannt und durch die Hundetoiletten nicht aus der Landschaft verschwunden. Ungenannt blieben zudem die ordentlich entsorgten Beutel. Vielleicht, weil es eine Selbstverständlichkeit ist, genauer eine Pflicht.

Eben diese Pflicht des Hundehalters wurde, wie es die Regel ist, nicht angesprochen. Verstöße sind eine Ordnungswidrigkeit, die in Baden-Württemberg mit bis zu 150 Euro geahndet wird. Das ist die Rechtslage. Es gibt aber auch Regeln des Anstands, des sozialen Miteinanders. Dass die von manchen Hundhaltern missachtet werden, ist nicht “schade”. Es ist anmaßend und widerwärtig.

Es geht nicht um die Hunde. Es geht um die Halter. Die Hunde fallen nicht vom Himmel, sondern werden von ihren Besitzern dorthin geführt, wo sie ihr Geschäft machen sollen. Das darf nach Belieben überall sein, nur nicht zu Hause. Auf dem Lande sind es oft die Äcker. Die sind Privatgrund. Fragen Hundehalter die Landwirte um Erlaubnis?

Im Ried und anderswo gibt es Bauern, die ihre Felder umzäunen müssen, damit die Früchte nicht von Hundekot beschmutzt werden. Würden Herrchen und Frauchen solche Ware kaufen? Schafhalter können Heu, das sie gemacht haben, nicht an ihre Tiere verfüttern, weil es mit Hundekot verseucht ist. Die Obrigkeit fordert die Einhaltung der Regeln nicht, sie wirbt darum: “Danke, dass Sie unsere Hundetoilette benutzen.” Hohn ist, wenn, wie nicht selten, unter dem Schild orangene Beutel liegen. Des Bürgermeisters feine Ironie mag helfen, das zu ertragen. Eine angemessene Antwort ist sie nicht.

Dierk Knechtel
Dierk Knechtel